
Hüttenwerk Lorfonte (2001)
Vom einst imposanten Hochofenwerk Lorfonte, das 1991 stillgelegt wurde, ist heute nur noch der Hochofen 4 übrig geblieben. Doch was geblieben ist, reicht, um ein ganzes Kapitel Industriekultur aufzuschlagen.
Der Zugang erfolgt über eine alte, leicht rostende Eisenbahnbrücke, die direkt in das denkmalgeschützte Werksgelände führt. Hier beginnt eine Reise in die Vergangenheit – zwischen Beton, Eisen und der letzten Wärme, die die Wände gespeichert haben.
Maschinenhalle – Reif, Tropfen, Ästhetik
Trotz jahrzehntelangen Stillstands ist die Maschinenhalle noch relativ gut erhalten.
Hier stehe ich, es ist knapp über null Grad, auf den alten Armaturen liegt Reif, fein perlt kondensiertes Wasser an glänzenden Hebeln und Rädern. Die Szenerie ist so ruhig, dass selbst ein fallender Tropfen wie ein Taktgeber wirkt.
Ich richte die Kamera, atme flach, um den Moment nicht zu stören – und mache furchtbar ästhetische Aufnahmen. Das Licht ist flach und weich. Ich weiß: Viel Zeit bleibt nicht mehr.
Kesselhalle – verborgen und fast vergessen
Mit etwas Geschick gelange ich von der Maschinenhalle weiter in die Kesselhalle –
ein Raum, der wie ein geheimer Speicher wirkt: Noch besser erhalten, noch stiller.
Hier hat der Vandalismus keine Spuren hinterlassen – wohl auch, weil die Zugänge gut gesichert waren.
Doch das Dach ist undicht. Wasser tropft von oben, trifft auf alte Stahlböden, erzeugt eine unfreiwillige Klanginstallation, die zwischen Rinnsal und Rauschen oszilliert.
Ein Ort, der gleichzeitig aufgewühlt und beruhigend wirkt. Ein Ort, an dem man sich nicht sicher ist, ob er wirklich aufgegeben wurde.
Letztes Licht über Lothringen
Draußen dämmert es. Die Zeit läuft, das Licht wird knapp – und es stehen noch Außenaufnahmen an. Ich haste zurück über das Gelände, vorbei an rostigen Geländern und bröckelnden Mauern, fange noch einige letzte Goldstundenbilder ein.
Auf dem Rückweg, irgendwo nördlich von Metz, halte ich kurz bei Hayange. Ein Hügel über der Stadt bietet mir den perfekten Blick auf das Stahlrevier in der Nacht.
Langzeitbelichtung, Weitwinkel, Stativ – und der Tag endet mit einer letzten, stillen Lichthommage an den Stahl.
Die lange Anfahrt hat sich mehr als gelohnt. Das Hochofenwerk Lorfonte ist kein Lost Place für den schnellen Klick, sondern ein Ort, der Zeit fordert – und Tiefe zurückgibt.
Stille, Tropfen, Temperatur. Und eine Erkenntnis: Industrie stirbt nicht auf einen Schlag – sie flackert leise aus.
Analoge Aufnahmen aus 2001.



























































